Am Rande bemerkt

„Lesbisch“ beschreibt eine Orientierung.

Es ist ein klares, notwendiges Wort für etwas, das benannt werden muss.

„Sappisch“ geht einen Schritt tiefer.
Es beschreibt nicht nur, wen man liebt, sondern auch, wie man empfindet, wahrnimmt und sich durch diese Wahrnehmung in der Welt bewegt.

Ich verwende beide Begriffe nicht gegeneinander, sondern lasse sie nebeneinander stehen:
als Orientierung und als Perspektive.

Ich schreibe, um eine Form von Nähe, Blick und Sprache festzuhalten,
die älter ist als jedes heutige Wort dafür.

Ja und nein.
Ich veröffentliche Auszüge.

Nichts darin steht, das nicht durch mich gegangen ist durch mein Sehen, mein Hören, mein Denken.

Ich schreibe nicht über mein Leben.
Ich schreibe aus ihm heraus.

Weil Worte das sind, womit ich arbeite.
Mit ihnen halte ich meine Sicht auf die Welt fest und auf die kleinen Dinge in ihr.

Nicht zu viel, nicht zu wenig.
Präzise, ohne das Wesentliche zu verlieren und ohne dem Unwesentlichen Raum zu geben.

Vieles wird nur sichtbar, wenn man hinsieht, und es nicht sofort festlegt.

Lautes Bewerten übersieht oft das Entscheidende.
Gedanken müssen reifen dürfen.

Ich bevorzuge Formen, die Raum lassen.

Weil sich in ihnen das Große formt.
Und weil sich darin entscheidet, wie jemand in der Welt ist.

Große Gesten sind selten eindeutig.
Kleine fast immer.

Wenn man unter Elitismus Auswahl versteht und unter Egalität, dass jeder Zugang zu ihr haben darf, dann ist „von gewisser Art“ in gewisser Weise beides.
Aber es ist auch nicht gleichgültig.

Es ist kein Raum, der sich an alle richtet.
„Von gewisser Art“ ist ein sappisches Projekt.
Es entsteht aus einem bestimmten Blick auf die Welt und richtet sich nicht an alle.

Das ist kein Versehen.
Und kein Mangel, der ausgeglichen werden müsste.

Nicht alles muss zugänglich sein, um legitim zu sein.
Und nicht jede Perspektive muss sich öffnen, um verstanden zu werden.

Ich schreibe aus einer Haltung heraus, die wählt.
Was sie sieht.
Was sie festhält.
Und für wen es gedacht ist.

Das schließt aus.
Und ist damit im Reinen.

Ich erhebe keinen Anspruch auf Ausgewogenheit oder Objektivität.
Nur auf Klarheit in dem, was ich zeige.

Mich interessieren Dinge, die Aufmerksamkeit verlangen oder solche, die meine finden.

Und Aufmerksamkeit ist eine Entscheidung.

An Menschen, die sich Zeit nehmen.
Und bereit sind, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen.

An jene, die nicht sofort einordnen müssen, sondern aushalten können, dass etwas erst mit der Zeit Form annimmt und diese Form individuell ist.

An Leserinnen, die sich in einem sappischen Blick wiederfinden oder ihn zumindest ernst nehmen.

Und an alle, die verstehen, dass nicht alles für jeden gedacht ist.

Mehr nicht.